Freitag, 26. Oktober 2012

movie reviews - "Snow white and the Huntsman"

Eines meiner größten Hobbies sind - neben Büchern - schon immer Filme gewesen. Ob nun Kunstfilm oder Science Fiction, Horror oder Drama, beinahe jedes Genre kann mich auf seine eigene Art begeistern. Davon ausgenommen sind lediglich "romantische" Hollywood-Komödien, mit denen man mich an jedem Filmabend in die Flucht schlagen kann.
Seit einiger Zeit habe ich Spaß daran gefunden, meine Leidenschaft für Schreiben und Filme zu verbinden und veröffentliche mehr oder weniger regelmäßig Filmkritiken innerhalb des Portals mannbeisstfilm.de, in dem ihr eine Menge weiterer interessanter Kritiken findet, besonders zu Werken, die sich außerhalb des Mainstreams aufhalten.

Aber genug der Schleichwerbung - was ich eigentlich sagen wollte: hier wird es nun in Abständen Kritiken von mir zu lesen geben. Diese werden meist etwas länger und förmlicher sein als die restlichen Texte auf dem Blog, und sollte jemand sich genug langweilen oder dafür tatsächlich interessieren, freue ich mich selbstverständlich über Feedback, Anregungen und gegensätzliche Auffassungen. Den Anfang macht Rupert Sanders Snow white and the Huntsman. Enjoy.

Snow white and the Huntsman - ein Film von Rupert Sanders
★★★★★★

 Es war einmal ein Film, der lockte mit aufwendigen Trailern, bekannten Darstellern und versprach seinen Zuschauern einen stimmigen Mix aus Fantasy, Horror und einer beliebten Grimm´schen Märchenerzählung. Scharenweise strömten die Menschen in die Kinos, voller Vorfreude auf Spannung, Gänsehaut und überdurchschnittliche Unterhaltung. Doch sie sollten bitter enttäuscht werden.
So hätten es wohl die Gebrüder Grimm ausgedrückt, würden sie noch unter uns weilen.

Um es von Anfang an klarzustellen: ich habe nichts gegen Fantasyfilme. Ich mag sie oft sogar sehr gern leiden. Wenn die richtige Mischung aus interessant gezeichneten Charakteren und einer tollen Geschichte stimmt, bin ich keinem Vertreter dieses Genres abgeneigt. Die folgende Kritik kann also als eine Liste von Gründen angesehen werden, wieso bei Ruperts Sanders Film „Snowwhite and the Huntsman“ die eben erwähnte Mischung gerade nicht stimmt.

Die Handlung gestaltet sich wie folgt: die kleine Prinzessin Snow White (die Begriffe „Snow White“ und „Huntsman“ wurden irritierenderweise konsequent in die deutsche Version übernommen) führt ein harmonisches Leben im Königreich ihres Vaters, dem gerechten und angesehenen König Magnus. Als jedoch eines Tages ihre Mutter stirbt, wendet sich das Blatt. Ravenna (Charlize Theron), die neue Frau, welche ihr Vater auserwählt, erweist sich als eine böse Zauberin, die den König noch in der Hochzeitsnacht ermordet und seine Nachfolge antritt. Von da an regiert sie das Königreich mit eiserner Hand, während Snow White fünfzehn Jahre lang in einen Turm gesperrt wird.
Ravenna, deren einziges Interesse der Erhalt ihrer Schönheit ist, saugt vampirgleich das Leben aus ihren jungen, weiblichen Untertanen und bezieht ihre Bestätigung regelmäßig von einem magischen Spiegel. Bis dieser eines Tages verlauten lässt, dass die Gefangene Snow White im Begriff ist, die königliche Schönheit zu übertreffen. Der einzige Weg zum Erhalt ihrer Zauberkräfte sei das Herz der Prinzessin, durch dessen Besitz Ravenna unsterblich würde.
Jedoch gelingt es Snow White, aus ihrem Verließ zu entkommen und in den verbotenen Wald zu fliehen. Außer sich vor Zorn lässt Ravenna den einzigen herbeirufen, der in der Lage ist, sich dort zurecht zu finden: den Huntsman (Chris Hemsworth). Er soll die Prinzessin einfangen und somit der Königin zu ihrem Sieg verhelfen. Doch erwartungsgemäß dreht sich schon bei ihrer ersten Begegnung der Wind und aus Feinden werden Verbündete im Kampf gegen das Böse.
 Regisseur Sanders legt mit dem Werk seinen ersten Spielfilm vor, nachdem er bislang nur im Bereich der Werbung aktiv war. Dies ist dem Streifen in jeder Sekunde anzusehen. Auf Hochglanz poliert und mit zahlreichen CGI-Effekten bestückt bietet „Snow White and the Huntsman“ zumindest auf visueller Ebene ein mitreißendes Abenteuer. Kostüme und Ausstattung sind ebenfalls opulent und unterstreichen den düsteren, ernsten Zugang zur Geschichte.

Womit wir beim ersten Kritikpunkt angelangt wären. Die kreative Neuverfilmung von märchenhaften Stoffen mag eine schöne Sache sein, jedoch wirkt sie bei Sanders eher wie das Mittel zum Zweck. Die einzelnen Komponenten des Originalstoffes wurden kreuz und quer durcheinander geworfen, es gibt kaum eine Szene, die man wirklich mit „Schneewittchen“ wie wir es kennen in Verbindung bringen könnte. Es entsteht der Eindruck, als hätte man sich lediglich die Motivik des Ganzen zunutze gemacht, um am Ende einen bekannten Stempel aufzudrücken, der Zuschauerinteresse garantiert.
Dies könnte zu verschmerzen sein, würde eine mitreißende Umsetzung es aufwiegen. Jedoch hat der Film seine gesamte Laufzeit über die Angewohnheit, sich selbst zu ernst zu nehmen. Sicher, eine Geschichte, die so düster daherkommt und sogar einige Horrorelemente aufweist, wird wohl kaum für Schenkelklopfer sorgen, aber eine Ebene zu schaffen, auf der der Zuschauer sich mit den Figuren identifiziert, sich in die Geschichte hineinfühlt, ist ebenso wichtig. Und leider misslungen. Die Figuren sprechen während der einzelnen Szenen entweder zu wenig oder zu geschwollen, die Dialoge wirken weder spontan noch nachvollziehbar, sondern eher wie hölzerne Kalendersprüche.

Vor allem aber ist es ein Faktor, der das Werk ins Aus befördert: Die Besetzung der Hauptfigur, mit der ein Film steht und fällt. Und Kristen Stewart als Schneewittchen mag sich zwar optisch einfügen, versagt aber schauspielerisch auf ganzer Linie. Als Konkurrentin der wunderschönen und von Theron furchteinflößend dargestellten Ravenna erwartet man eine Protagonistin, die ihr nicht nur optisch das Wasser reicht, sondern auch durch all das besticht, was ihrer Gegenspielerin fehlt: Güte, Warmherzigkeit, Reinheit, Tapferkeit. Doch alles, was man zu sehen bekommt, ist der immer gleiche Ausdruck Stewarts, die ihrer Figur einfach keine Tiefe und dem Zuschauer somit keine Leitfigur zu geben vermag. Da hilft es auch nicht, dass die Heldin in unzähligen Lobeshymnen verehrt, umschwärmt, und in einer (unfreiwillig komischen) Szene sogar von einem Hirsch „gesegnet“ wird. An der ausdruckslosen Mimik Stewarts ändert es nichts.
 „Wenn eine Frau ewig jung und schön bleibt, gehört die Welt allein ihr.“

Was ebenso negativ auffällt, ist der allzu starke Kontrast zwischen der dunklen Bedrohung Ravennas und den grünen, harmonischen Landschaften, die Snow White und ihr Gefolge repräsentieren. Denn spätestens wenn sie und der Huntsman auf die acht (ja, richtig gelesen) Zwerge treffen und mit ihnen durch die Wälder ziehen, werden Bilder aufgefahren, die man wohl am treffendsten als Kitsch bezeichnen kann. Singende Elfen, schnufflige Häschen und putzige Vögel tollen fröhlich umher und erwecken plötzlich den Eindruck, man befände sich mitten in einem Kinderfilm. Wobei man sich dann die Frage stellen muss, wieso im gesamten Werk auf eine explizite Liebesgeschichte komplett verzichtet wurde. Außer einem einzigen Kuss, welcher eher als Mittel zum Zweck dient, bietet die Handlung ihren jungen Zuschauern kaum romantisches Material. Es wird abwechselnd von Schiene zu Schiene gesprungen, aber keine davon konsequent zu Ende gefahren.

Alles in allem kann man sagen, dass Sanders Konzept während der stolzen 127 Minuten Laufzeit einfach nicht aufgehen will. Die Geschichte wirkt von Anfang an durchkonstruiert (dabei sei besonders eine Szene am Strand hervorgehoben, in der Snow White nach ihrer Flucht wie von Zauberhand ein weißes Pferd vorfindet, welches nur auf sie gewartet zu haben scheint), die schauspielerischen Leistungen vermögen nicht, dies durch genügend Frische auszugleichen. Alle Darsteller wirken zu sehr in der aufgesetzten Handlung gefangen, um mit ihrer Rolle hervorzustechen.

Ein Großteil der rar gesäten stimmigen Momente, die „Snow White and the Huntsman“ bietet, erinnert vom Stil her stark an Filme wie „Der Herr der Ringe“ und man hat als erfahrener Zuschauer nicht nur einmal das Gefühl, als hätte man sich hier und da bei anderen erfolgreichen Werken bedient…

Nun, natürlich gibt es beim Fazit nicht nur Negatives. Das große Finale ist durchaus stimmungsvoll, wer also nach fast zwei Stunden geschwollener Dialoge noch wach genug ist, kommt hier visuell auf seine Kosten. Was aber beim Abspann überwiegt, sind in erster Linie enttäuschte Erwartungen. Denn es ist nicht wirklich viel, was ein Film zu bieten hat, der auf Frauenpower in Form zweier Kontrahentinnen setzt, von denen eine der anderen bis zum Schluss nichts entgegen zu setzen hat.

„Snow White and the Huntsman“ ist in seiner Umsetzung somit alles andere als märchenhaft und höchstens für treue Twilight,- beziehungsweise Kristen Stewart Fans geeignet. Ein Film, den man, wenn überhaupt, nur aufgrund seiner Schauwerte im Gedächtnis behalten wird.

Eine Kritik von Caren P.

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