Freitag, 19. April 2013

movie reviews - "Zwei an einem Tag"

Nach längerer Zeit mal wieder eine Filmkritik. Diesmal zur Verfilmung eines Buches, welches die meisten sicherlich gelesen (und gemocht) haben. Die Originalkritik, sowie viele weitere findet ihr wie immer auf mannbeisstfilm.deÜber eure Meinungen zum Film freue ich mich, für Anregungen und Kritik bin ich offen. 



Zwei an einem Tag - Ein Film von Lone Scherfig


Als David Nicholls im Jahr 2009 seinen Roman „Zwei an einem Tag“ veröffentlichte, begann augenblicklich ein wahrer Hype um das Buch. Dieses Buch, welches nicht nur eine weitere unterhaltsame Liebesgeschichte des 21. Jahrhunderts darstellt, sondern darüber hinaus voller unaufdringlicher Lebensweisheit, lockerem Humor und bittersüßer Tragik steckt. Ein Werk, das trotz seines altbekannten Erzählmusters in jedem Moment unverbraucht und frisch daherkommt. 

Angesichts dieses großen Erfolges ist es also keine Überraschung, dass bereits zwei Jahre später eine Verfilmung des Stoffes folgte, zu dem David Nicholls persönlich das Drehbuch bereitstellte. Die Umsetzung geschah zusammen mit Lone Scherfig, einer dänischen Regisseurin, die bereits Filme wie „An Education“ erfolgreich auf die Leinwand brachte. 
Die Geschichte dreht sich um Dex und Em, Dexter Matthews und Emma Morley. Beide lernen sich am 15. Juli 1988, dem Tag ihrer Examensfeier kennen und verbringen daraufhin die Nacht miteinander. Von da an verbindet das ungleiche Paar eine besondere Freundschaft, die mehr als 20 Jahre voller Höhen und Tiefen übersteht, jedoch nie zu dem wird, was beide sich eigentlich wünschen. Der Zuschauer wird Zeuge davon, wie Dexter und Emma jährlich am 15. Juli, dem Tag, an dem alles begann, aufeinander treffen und erfährt lediglich durch Verhalten und Gespräche der beiden, was in der Zwischenzeit geschehen ist. 

Bei der filmischen Umsetzung eines so umfangreichen Buches ist es natürlich klar, dass man sich nur auf die wichtigsten Erzählstränge beschränken kann. Vor allem, da der Film auf ein Mainstreampublikum ausgerichtet wurde und deshalb nur eine durchschnittliche Laufzeit aufweist. Die etwaigen Auslassungen fallen beim Verständnis der Geschichte allerdings keineswegs ins Gewicht. Dem Film ist anzumerken, dass er mit viel Liebe zum Detail umgesetzt wurde. Die Dreharbeiten fanden an den Originalschauplätzen des Buches statt, also unter anderem in London und Edinburgh, was für viel authentisches Flair sorgt. Die Musik ist ein harmonisches, ständig wiederkehrendes Thema (passend zur regelmäßigen Begegnung am immer gleichen Tag), die humoristischen Einlagen sind – ganz im Stil der Vorlage -ebenso passend wie ungezwungen. Fans des Buches werden außerdem Freude an einer dem originalen Erzählverlauf folgenden Handlung, sowie mehreren eingestreuten Einzelheiten haben. 




Die beiden Hauptdarsteller Anne Hathaway und Jim Sturgess liefern beide eine überzeugende Leistung ab, vor allem Hathaway erweckt ihre Figur bezaubernd wie eh und je zum Leben. Aus der Riege der äußerst treffend besetzten Nebenfiguren stechen besonders Rafe Spall als Emmas Exfreund Ian und Ken Stott als Dexters verwitweter Vater heraus.


Kommen wir nun zum „ABER“: 

Wie bereits erwähnt, wurde die Handlung für den Film hier und da eingeschränkt und gestrafft. Man bekommt als Zuschauer eine konzentrierte Variante der Schlüsselmomente in Dexters und Emmas Freundschaft serviert, welche sich durch die vielen aufeinanderfolgenden Zeitsprünge sehr kurzweilig gestalten und nicht so recht miteinander verbinden wollen. Somit wird, auch wenn es einige wirklich berührende Szenen gibt, nie die komplette Intensität erreicht, welche in der Geschichte eigentlich steckt. Vor allem zwischen den beiden Protagonisten, deren Liebe doch im Zentrum steht, will einfach keine wirkliche Chemie entstehen. Denn wir bekommen sie immer nur phasenweise zu Gesicht und können das, was sich innerlich zwischen ihnen abspielt, gar nicht richtig erfassen. Ein Film bietet nun einmal nicht den erzählerischen Spielraum eines Buches, in dem große zeitliche Auslassungen durchaus funktionieren.

Aber nicht nur durch das ständige Unterbrechen des Erzählflusses verliert die Handlung an Tiefe. Es ist dem Film leider nun einmal anzumerken, dass er eine publikumsfreundliche, glattgebügelte Variante des Romans ist. Wer ihn nicht gelesen hat, braucht sich darum natürlich nicht zu scheren, aber mir stellte sich beim Anschauen die Frage, ob man nicht mit weniger Zugeständnissen an die Zuschauer mehr hätte herausholen können. Anne Hathaway ist eine tolle Emma Morley, keine Frage, aber sie spielt eben die Rolle einer typisch schüchternen Schönheit, die sich am Ende voll entfaltet - nicht die der störrischen, unkonventionellen Frau mit Hang zu Weltverbesserungsträumen. Der Film nimmt ebenso keinen Bezug auf die gesellschaftlichen Wandlungen, vor deren Hintergrund die Geschichte spielt, er gleitet gewissermaßen auf der Handlungsoberfläche dahin.

All diese Faktoren bilden letztendlich den Grund dafür, dass „Zwei an einem Tag“ zwar eine solide Liebeskomödie ist, die sich durch eine charmante Umsetzung aus dem Einheitsbrei hervortut, es aber leider nicht schafft, an die Ausdrucksfülle ihrer Vorlage heranzureichen. 



Eine Kritik von Caren P.


Kommentare:

  1. Das ist eine gut geschriebene Review. Nur an manchen Stellen hätte ich mir die Auslassung der "Schulfloskeln" gewünscht wie z.B. "Dem Film ist anzumerken...". Das kann man auch direkter sagen. ;)

    AntwortenLöschen
  2. Danke für deine Meinung. (: Ich neige manchmal zu einem sehr förmlichen Stil, das stimmt. Wahrscheinlich, um eine gewisse Distanz zum Objekt der Kritik zu behalten... hätte ich den Text nicht für eine Seite verfasst, auf der das üblich ist, würden manche Formulierungen sicher anders aussehen. Lg (:

    AntwortenLöschen
  3. Dankeschön, genau diese Wirkung wollte ich auch erreichen! :)

    Ich habe "Zwei an einem Tag" nicht gelesen, jedoch den Film im Kino mit einer Freundin gesehen und er hat mir wirklich gut gefallen. Die Geschichte ist mal etwas anderes und hebt sich von den üblichen Hollywood-Romanzen ab. Vor allem der Humor hat mir gefallen, muss ich zugeben. :) Wenn ich das Buch gelesen hätte, würde ich sicherlich auch etwas zu bemängeln haben, denn bei der Verfilmung eines Buches geht ja leider doch immer etwas verloren. Vielleicht sollte ich das Buch ja doch mal lesen, wenn mir mal der Lesestoff ausgeht.

    Ich fand die Kritik übrigens sehr gut geschrieben!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank! (:

      Das Buch kann ich nur empfehlen, es ist einfach federleicht geschrieben, man liest es mit Genuss und findet sich selbst oft darin wieder. Bei mir hat die Lektüre nur einen Tag gedauert, da ich es einfach nicht weglegen wollte.

      Löschen
  4. Super gut und interessant geschrieben :)

    AntwortenLöschen